die verlorne zeit
ich suche dich
im schatten alter bäume
hinter hohen mauern
mit warmgelbem glas
ich suche dich dort,
wo wir einst warn
die erinnerung hängt
wie spinnweben
in meinen langen haarn
sie webt noch immer
die allerschönsten
träume
ich suche dich
auf vielbefahrnen straßen
an vergessenen orten
und in gottverlassnen finstren gassen
ich such deine augen
in unbekannten gesichtern
sehnsuchtsvoll
bei nacht
in fernen großstadtlichtern
ich suche dich tags
in tempeln, die verführen
in endlos langen neonkalten gängen
ich such deine stimme
in kaufberauschten
endlos tosenden menschenmengen
ich suche dein lachen
in fremden kehlen
ähnlichkeiten
in namenloser gesten und blick
such eine spur, einen hauch
einen vertrauten widerhall
meine sinne geschärft
für den fall
ich such dich
auf bühnen
mit goldenen klängen
vor blutroten
gerafften seidenvorhängen
such dich
in grellblauem scheinwerferlicht
samtweiche töne, die tief durchdringen
ich vergesse sie nicht
ich such dich
in meinen decken und kissen
die in durchträumten nächten
vertraut nach deiner sanftheit und auch
nach salz und sehnsucht schmecken
ich suche sie
all die verlorene zeit
und rufe lautlos deinen namen
bist du bereit?
©Beate Oberlein
"die verlorne Zeit" ist im Gedichtband "Eisnebelsommer" nicht enthalten.
NEIN
ich will nicht mehr
an dich denken
ich will nicht mehr
immerwieder und immerzu
meine aufmerksamkeit
an einen stummen geist verschenken
ich will auch nichts mehr wissen
was du tust und treibst
mit wem du telefonierst oder schreibst
dich triffst und nummern tauschst
mit wem du schäkerst
wem du nachschaust
und ich will dich nicht mehr
jede nacht
vermissen
ich will nicht mehr von dir träumen
mit offenen und geschlossenen augen
voll illusionen die fürs tageslicht nicht taugen
ich will nicht mehr warten
auf funkenflug und feuer
kostbar ist die zeit
und für hoffen viel zu teuer
ich will die beste chance meines lebens
nicht versäumen
mich interessiert nicht mehr
wen du belügst
wem du hoffnungen machst
wen bei laune du hältst
ob du aufrichtig lachst
oder dich verstellst
mit wievielen du spielst
in wieviele richtungen du schielst
und wen du feige betrügst
ich will dich auch nicht mehr verstehen
ob du stress hast oder not
angst vor liebe, vorm leben
oder angst vor dem tod
ob dich gerad irgendwas quält
ob dir lust oder doch die zeit oft fehlt
ob du mutig, ungerecht oder feige bist
wo du heute schläfst und isst
und welcher frau du heute zeichen gibst
ich will es nicht mehr sehen
ich will mich nicht mehr verlieren
in augen, die mich nicht sehn
die ständig suchen
nach grünerem gras
und jeden rock dabei fixieren
©Beate Oberlein
"NEIN" ist im Gedichtband "Eisnebelsommer" nicht enthalten.